Sehr geehrter Herr OB Horn,

heute soll der Grundsatzbeschluss für den Bau der Gemeinschaftsschule Dietenbach fallen. Als Gemeinschaftsschule mit verschieden großen Lernräumen, dazu in der Bauweise als Passivhaus möchte man hier Maßstäbe setzen. Hermann Maier, Leiter des Amtes für Schule und Bildung, sieht im Gegensatz zur Gesamtschule Dietenbach,  den Neubau der Staudinger, das bislang teuerste Schulprojekt Freiburgs, als „leichte Übung an“. Man darf also bezweifeln, dass es bei den projektierten 103 Mio. € Baukosten bleibt.

Auf der Habenseite steht ein Schulkonzept das zum Wohlfühlen einlädt:

– Förderung individueller Lernentwicklung

– Fokus auf differenzierte Fördermaßnahmen

– Lehrer als Lernbegleiter und Coaching Gespräche

– Eigenverantwortliches Lernen und Mitbestimmung

– multiprofessionelle Teams

– bunte Schülerschaft

– keine Noten

– hippe Profilfächer, wie Nachhaltigkeit

Der disziplinierte Frontalunterricht soll der Vergangenheit angehören, Schüler sollen selbstständig die Inhalte erarbeiten und sich entfalten können.

Die Bildungsbürgermeisterin Stuchlik frohlockt bereits, die Schule sei ein „wegweisendes Projekt für gelingende Bildung über alle Schulaltersstufen und Leistungsniveaus hinweg – unabhängig von sozialem Hintergrund und dem Bildungsstand des Elternhauses.“

Zu schön um wahr zu sein? Ist es auch.

Der Philologenverband BW jedenfalls stellt den Gemeinschaftsschulen ein vernichtendes Urteil aus.

1. Sehr wohlwollende Verbalbeurteilungen, welche Schülern und Eltern bis zur 8. Klasse der Illusion gibt, „sie würden auf die Oberstufe und das Abitur vorbereitet„.
2. Schüler lernen an der GMS, dass sich Anstrengung nicht lohnt: Jedes Kind rückt — egal wie schwach seine Leistung ist — immer in die nächste Klasse weiter. Es findet eine Anpassung nach unten statt.
3. Lehrkräfte berichten von „massiven Disziplinproblemen“ in den Lerngruppen und während der selbstorganisierten Arbeitszeit. Effektives Lernen sei nicht möglich. Die Wissgem-Studie zu den Lernzeiten der verschiedenen leistungsfähigen Schüler gibt den Philologen dabei Recht.
4. Lehrkräfte berichten, dass eine klare Anweisung der Schulleitung besteht, die Anmeldenoten zur Abschlussprüfung „zu schönen.“ Beispiel Mathe Abschlussprüfung: durchschnittliche Einreichungsnote 3,2, in der schriftlichen Prüfung erzielte Note 3,9. Rund ein Viertel der GMS-Schüler erreicht in Mathe insgesamt die Note ausreichend nicht.“

Der Philologenverband kritisiert, eine Negativauslese der Schüler. Unsere Anfrage zu den Gemeinschaftschulen in Freiburg entlarvte das Märchen vom gemeinsamen Lernen aller Niveaustufen: Während 74% der 5-Klässler an der städtischen Vigeliusgesamtschule eine unverb. Hauptschulempfehlung hatten, traf dies nur auf 5-10% der privaten Paula-Fürst-Schule zu. Somit gilt auch in Freiburg: Wer es sich leisten kann, schickt Kinder auf Privatschulen, wessen Kinder überdurchschnittliche Leistungen bringen, der schickt diese weiterhin auf Realschulen und Gymnasien.

Das Konzept der „individuellen Lernzeiten“ mit Selbstkontrolle geht an den Bedürfnissen der schwächeren Schüler völlig vorbei. Diese holten sich die zur Kontrolle gedachten Lösungen und schreiben sie einfach ab. Als Ergebnis steht dann: „Lernziel erreicht!“

Der Philologenverband konstatiert: „Ein Konzept, in dem Lehrer zu ´Lernbegleitern´ degradiert werden und Schüler sich nach kurzen inhaltlichen Inputs den gesamten Stoff selbst erarbeiten sollen ist insbesondere für schwächere Schüler – die an der GMS die Mehrheit stellen – völlig ungeeignet. Die schwächsten Schüler benötigen gerade die engste und intensivste Führung und Betreuung.“

Gerade viele gymnasiale Lehrkräfte kündigen lieber ihr Beamtenverhältnis, als länger einen Lernbegleiter auf Augenhöhe in schwer beschulbaren Klassen darzustellen.

Wir stehen für das dreigliedrige Schulsystem mit dem Gymnasium aus der Tradition der akademischen Ausbildung, der Realschule aus der Tradition der Kaufleute und Handeltreibenden und die Hauptschule aus der Tradition der Handwerker.

Gegen Autorität, Disziplin und gegen den Leistungsgedanken gerichtet bedient dieses Bildungsexperiment lediglich linke Lebenslügen.

Wir lehnen ab

Quellen:

https://www.badische-zeitung.de/die-schule-in-freiburgs-neuem-stadtteil-dietenbach-wird-eine-hausschuhschule–198082663.html
https://www.badische-zeitung.de/lernen-geht-auch-anders-das-wird-die-neue-schule-in-dietenbach-zeigen–198082649.html
https://www.faz.net/aktuell/politik/vernichtendes-urteil-fuer-lehrform-gemeinschaftsschule-13753267.html